SEMINARGEBÄUDE DER KATHOLISCHEN STIFTUNGSHOCHSCHULE, MÜNCHEN

Wettbewerb 2015: 2. Preis, Zuschlag nach VOF-Verfahren
Bauherr: Katholische Stiftungshochschule
Leistung: HOAI LP. 1-9

Mit dem neuen Seminargebäude wird ein neuer – allein durch seine übergeordnete Nutzung – heraus­ragender Bau­stein am Campus gesetzt. Seine Positionierung ist allerdings nicht unproblematisch, denn der vor­ge­sehene Standort befindet sich in zweiter Reihe in der nordwestlichen Ecke des Hochschulareals. Daher ist es uns ein umso größeres Anliegen, dem Neubau den Ausdruck eines offenen und transparenten Lehrge­bäudes zu geben und ihm dennoch ein kraftvolles Volumen zu verleihen. Der Neubau soll mit seiner Umgebung verzahnen und sich aus dem vorhandenen Wegenetz entwickeln. Die Verzahnung wird durch die Art und Lage der Gebäudezugänge definiert. Zu der Campus­wiese mit ihrem alten Baum­bestand (Allee des früheren Klosters) öffnet sich das Foyer über seine gesamte Breite. Eine vor­ge­lagerte platzartige Freifläche fließt niveaugleich in die breite Ein­­gangs­­halle. Die Cafeteria und ein Hörsaal flankieren den Eingang und „spielen“ jeweils mit Ihren Nutzungen in den Außenraum und Campus. Die Ver­­bindung zu den Gebäuden Aula und Mensa erfolgt auf zwei Ebenen, im Sockel als warmer geschlossener Gang und oberhalb Gelände als offener Steg, der die vierseitige Frei­stellung des Kubus sicher stellt. Dem Wunsch des Nutzers nach einem zentralen Zugang wird in der Planung Rechnung getragen: Das denk­malgeschützte Eingangsportal an der Preysingstraße erhält durch den Abriss des J-Baus eine neue Inwert­setzung. Im Kontrast zu der neuen, vom lockerem Grün eines Obsthains bestimmten Freifläche entsteht eine Fokussierung auf den baulich gefassten Zugang des Campusgeländes. Die Kirche und ihr Eingangsportal werden künftig im benachbarten Stadtraum prägend wahrnehmbar. An Stelle der heutigen baulichen Fassung tritt eine neue, dem kleinteilig-dörflichen Umfeld verwandte , gartenartige Grünfläche, die sich einer­seits in den atmosphärischen Kontext einfügt, andererseits die historische Bausubstanz wirkungsvoll kon­tras­tiert.

Die Gestaltung der gebäudenahen Freiraumbereiche stellt auf behutsame Weise einen Bezug zwischen Neubau und vorhandenen Freiraumqualitäten her: Der Zugang zum Campusgelände von der Preysingstraße her wird durch eine einheitliche Materialität gestärkt und trifft im Vorfeld des Josefshauses auf eine neue Frei­raum­achse, die auf den Hauptzugang des Neubaus zuführt. Mit einfachen, vorwiegend durch Pflan­zungen getragenen Modifikationen erhält der Campus eine neue Ordnungsstruktur, die sich Orientierung för­dernd und Aufenthaltsqualität stärkend auswirkt. Der weitestgehende Erhalt des imposanten Baumbe­stan­des bestimmt die Positionierung der neuen Freiflächen. Der Freibaumbestand bleibt in weiten Teilen unberührt, wird jedoch entlang der künftig stärker frequentieren Haupt­wegeverbindungen durch eine filigraner detaillierte Vegetationsschicht atmosphärisch verdichtet. Es ent­stehen Bereiche verschiedener Weiträumigkeit: neben den vorhandenen, weitläufigen Rasenflächen stellen intensiver bepflanzte Bereiche einen graduellen Übergang zu den Gebäudestrukturen her. Neu ge­schaffene Aufenthaltsbereiche bieten die Möglichkeit der Kommunikation in kleinen Gruppen oder der Kon­tem­plation in grüner Abgeschiedenheit. Dabei liegt der Fokus nicht auf einer gärtnerisch aufwendigen Bepflanzung, sondern auf einer filigran tex­turierten, flächigen Vegetation mit jahreszeitlich wechselnden Blüh- und Farbaspekten. Entlang des D-Baus wird eine grüne Leitlinie ausgebildet, die als atmosphärische Erweiterung des wertvollen Freiraumbestandes, deren flächige Gräserpflanzungen und locker gestreute Gehölzgruppen – die Motive des Eingangshains – im Campusinneren fortsetzen. Leitmotiv ist auch hier der blühende, locker belastete Obsthain - mehrstämmig gezogene, hoch aufgeastete Kirschpflaumen stehen den Altbäumen zur Seite, ohne deren Dominanz zu hinterfragen.