ERWEITERUNG MESSE OFFENBURG-ORTENAU, OFFENBURG

nichtoffener Wettbewerb 2018: 2. Preis, Zuschlag nach nicht offenem Verfahren
Bauherr: Offenburg Stadthallen- und Messeimmobilien GmbH
Leistung: HOAI LP. 1-9

Die neue Halle 20 begrenzt den zentralen internen Messebereich nach Süden. Ihre Stellung wurde gegenüber dem Wettbewerb so verschoben, dass eine bessere Anbindung der Baden-Halle (3) gegeben ist. Die neue Halle orientiert sich zur grünen Mitte und nach Süden. Der Eingang Süd wird kraftvoll durch das um die Ecke herumgezogene Foyer formuliert. Der Eingangsplatz läuft unter das signifikant in zwei Richtungen auskragende Dach direkt in das Vorfoyer. In diesem durchschreitet der von Süden kommende Besucher die Kontrolle und gelangt in das eigentliche Foyer, das sich dem Messeforum zuwendet. Die besondere städtebauliche Qualität unseres Entwurfs – mit der gleichwertigen Öffnung der Halle über Eck – wollten wir unbedingt beibehalten und stärken. Dafür ist es sogar von Vorteil, dass wir Ihrer Anregung folgend den Verbindungssteg entfallen lassen konnten (1). Mit dem Entfall wurde auch die Erschließung über die Freitreppe und den Aufzug wesentlich vereinfacht. Die partielle Dreigeschossigkeit unseres westlichen Foyers (2) bleibt jedoch erhalten, denn diese ist unabdingbar, sofern man die mobile Tribüne mit über 2000 Plätzen auf der oberen Ebene (+7,20m) großzügig erschließen will. Diese Qualität halten wir aus der Erkenntnis unserer Realisierung in Wiesbaden für elementar, denn es ist eine herausragende Situation, wenn bei Veranstaltungs­beginn die Halle nicht von der Seite oder gar von unten, sondern von oben mit Blick über das Gestühl auf die Bühne be­treten werden kann. Die in diesem Zusammenhang im Wett­be­werb von uns angebotene Dach­terrasse (11) kann wunschgemäß problemlos entfallen. 
Eine der wichtigsten Modifikationen unseres Entwurfs liegt in der Verbesserung des Übergangs in die Baden-Arena (3). Mit der Verschiebung des Baukörpers um ca. 10m sowie einer leichten Ver­änderung der Hallenproportionen treffen alle Bestandstüren der Baden-Arena auf das neue Foyer und unter das Vordach. Mit der Verschiebung geht einher, dass die südliche Umfahrung und An­dienung deutlich großzügiger wurden.
Dem Wunsch nach Vereinfachung der Tribünengarage (4) sind wir nachgekommen: Entsprechend der erforderlichen Tribünenbreite und mit der erforderlichen Tiefe für ein Verschiebeelement wurde eine breite rechteckige Nische mit 2,80 m Tiefe vorgesehen, aus der die Tribüne schnell ohne Richtungs­änderung und ohne Teilung einfach ausgezogen werden kann. Im ausgezogenen Zustand könnte als Option die Tribüne über einen kleinen angestellten Steg auch auf +3,60 n zusätzlich von der Seite (oder ohne den oberen Teil) erschlossen werden.
Die Vor- und Zubereitung sowie das Büro der Küche haben Fenster und Tageslicht (5) über die Fuge zur Bestandshalle. Zu einer parallel angeordneten bedienenden Schiene (Lager, Kühlräume, Müll, etc.)  bestehen kurze Verbindungen, zusätzlich sind die Nebenräume von der Rückseite getrennt andienbar. Alle o.g. Funktionsflächen sind direkt mit der neuen Halle als auch mit der Baden-Arena verbunden.

Die Architektur des Hauses – unsere Fassadenkonzeption (6) – basiert auf der Gliederung der Volu­men und dem Wechsel zwischen großen verglasten Foyerflächen und weitgehend geschlossenen Hallen­­wandflächen. Diese sind mit einem feingliedrigen Blech verkleidet, in das die Tore mit gleicher Kaschierung flächenbündig eingesetzt sind. Im Sinne einer wirtschaftlichen Lösung kommt auf einer einfachen Stahlunterkonstruktion ein linear strukturiertes Systemblech (6000x1200mm) mit hori­zon­taler Plattenanordnung zur Anwendung, das in den Schattenfugen einfach und nahezu un­sicht­bar be­fes­tigt wird. Das auskragende Vordach des Foyers dient nicht nur als Wetter- und Sonnenschutz, sondern auch als gestalterische Fortführung und Verzahnung des Innenraums nach Draußen. Die mit glatten Blechen verkleidete Deckenuntersicht der Foyers geht in die Untersicht der Vordächer über. Lediglich die Bereiche der Westfassade haben oberhalb der Türhöhe eine in die horizontalen Kämpfer integrierte Sonnenschutzjalousie. 

Die Grundrissorganisation der Halle verfolgt das Ziel größtmöglicher Flexibilität für alle Veran­staltungs­­sze­narien. Die Halle ist teilbar und die Segmente sind eigenständig für Besucher und zur Andienung erreichbar. Cateringstationen finden sich entlang aller Foyerflächen. Im Hauptfoyer EG können die beiden zentralen Gastrotheken so zusammengeschaltet werden, dass ein direkter und interner Zugang zu der Cateringküche besteht. Sowohl der Backstagebereich, die Küche als auch die Lagerflächen sind direkt mit der neuen Halle als auch mit der Baden-Arena verbunden. Zu diesem konzept gehört auch, dass für alle Szenarien an dezentralen Standorten und auf allen Ebenen WCs angeboten werden (10). Im Sinne der Wirtschaftlichkeit und Funktionalität sind die im Wettbewerb ausgewiesenen Wc-Anlagen im Keller zugunsten der größeren Funktionsbereiche im EG und auf der Galerie (+3,60 und +7,20) aufgegeben worden. Selbstverständlich sind alle Ebenen für Besucher über den zentralen Aufzug (9) erreichbar; für Betrieb, Backstage und Künstler mit eigenem Aufzug an der Schnittstelle zur Baden-Arena.

Ziel unserer Ausarbeitung ist ein Tragwerkskonzept (7), das so effizient wie möglich die Halle überspannt und das im Herstellungsprozess unter Berücksichtigung einer sinnvollen Gewerkeschnitt­stelle einfach umgesetzt werden kann. Wir halten es für weniger wirtschaftlich, die Primär­konstruktion unseres individuellen Entwurfs entsprechend der Auslobung komplett als Stahlbau mit Ausmauerungen auszubilden.  Stattdessen schlagen wir eine Mischkonstruktion aus aussteifenden Beton- / Galeriewänden und Galeriedecken (siehe Skizze) vor. Ebenso halten wir es in der Herstellung für einfacher, die verbleibenden vertikalen Tragglieder als Stahlbetonfertigteilstützen zu errichten.  Damit wird ein in der Erstellung recht teurer Stahlbau auf die eigentlichen Dachebenen der großen Halle mit ihren Fachwerk- und Nebenträgern und auf die Foyerdecke konzentriert. Das hat nicht nur Vorteile bei der Erstellung, sondern auch die Bauteile, die F 90 sein müssen, sind in Beton, während die leichten Stahldachkonstruktionen ohne Brandschutz-Verkleidungen verbleiben können.