NEUBAU UND SANIERUNG GRUNDSCHULE, KROFDORF-GLEIBERG

Beschränkter Wettbewerb 2013: 1. Preis
Bauherr: Landkreis Gießen Der Kreisausschuss

An das denkmalgeschützte Hauptgebäude wird im rückwärtigen Bereich mit einem 2-geschossigen Baukörper so angebaut, dass ein räumlich gefasster Schulhof entsteht. Im Zentrum des Neubaus liegt die Aula. Der Versammlungsraum besticht durch seine Höhe, durch seine optimale Verzahnung mit dem Außenbereich und durch seine raumhohen Verglasungen. Diese sind eine großzügige Öffnung zum westlichen Garten und zu einer vorgelagerten Terrasse, auf der die Kinder ihr Mittagessen einnehmen können. Eine adäquate Fassadenöffnung nach Osten ermöglicht es, den Schulhof bei einer Veranstaltung mit einzubeziehen. 
Die Verbindung Neubau/Bestandsbau wird über einen Flur hergestellt, der den neuen Fachklassen und Ganztagsräumen als attraktives Foyer und als Puffer zum Schulhof vorgelagert ist. Ein als Galerie eingefügter Obergeschossflur, der zweigeschossige Raum und das hohe Pausendach zum Schulhof prägen den Charakter des Neubaus. Der Neubau – vor allem seine öffentlichen Flur- und Foyerzonen – begrenzen den Pausenhof. Zusammen mit den vorhandenen Bäumen und dem Bestandsgebäude wird ein Raum aufgespannt, der den Kindern ein geschützter, gut besonnter Freibereich ist. Der tiefer liegende westliche Garten kann durch eine dichte Begrünung eine schöne Ergänzung der befestigten Pausenflächen darstellen. Die Turnhalle wird mit einem Laubengang an die Schnittstelle zwischen Alt- und Neubau einfach und direkt angebunden. Das auf dem Grundstück verbleibende Wohnhaus an der Burgstraße bleibt dem Ensemble erhalten und kann an einen Dritten veräußert werden.
Der auf dem westlichen Grundstück befindliche Schulanbau aus den fünfziger Jahren kann so lange erhalten werden, bis der Neubau in Betrieb genommen ist. Ein Mindestabstand (Brandüberschlag) ist gewahrt.

Der Haupteingang zur Schule verbleibt in der Burgstraße, der Eingang über den Schulhof erfolgt vom Kastanienweg. Der an das Bestandsgebäude im Norden angefügte Baukörper nimmt den zweiten notwendigen Treppenraum sowie den Aufzug auf. Somit erhalten nicht nur alle vier Bestandsebenen einen baulichen zweiten Rettungsweg, sondern auch der Neubau. Mit dem Treppenhausanbau wird gleichzeitig auch der Gruppenraum, der jeweils im Bestandsflur verloren geht, wieder in unmittelbarem Bezug zum Klassenraum angeboten.

Alle acht Klassenräume sowie die dazugehörigen Nebenräume werden im Bestandsgebäude untergebracht. Am denkmalgeschützten Bestand werden nur die baulichen Veränderungen vorgenommen, die für den Betrieb und eine attraktive und barrierefreie Erschließung zwingend erforderlich sind: auf der Eingangsebene  wird die nordwestliche Flurfassade so geöffnet, dass als Übergang zum Neubau ein neues kleines Foyer entsteht. Von diesem hat man einen tiefen Einblick in den zweigeschossigen neuen Verteiler, einen direkten Zugang auf die obere Galerieebene und eine direkte Verbindung über die einläufige Freitreppe in das Foyer der Schulhofebene.

Der am Bestand bereits vorhandene turmartige Treppenbaukörper verbietet aus unserer Sicht einen weiteren rückseitig vor die Bestandsfassade gesetzten Baukörper. Aus diesem Grund wird nördlich an das denkmalgeschützte Gebäude mit gleicher Kubatur – aber mit einer abstrakten, ruhigen Formensprache (glattes, kantiges Putzvolumen mit bündig eingesetzten Fensteröffnungen) – angebaut. Auch mit dem Neubau bleibt das freistehende Volumen des Altbaus erhalten, denn dieser wird mit eigener Architektursprache und zurückgenommenen Volumen dem Altbau lediglich beiseite gestellt. 
Die Anmutung des Neubaus wird geprägt durch ein spannungsreiches Verhältnis von großen verglasten Flächen zu großen – mit Holz verkleideten – Wandflächen. Die Klassen- und Gruppenräume sind ihrer Funktion entsprechend mit einem Fensterband versehen, das im oberen Teil des Raumes auskömmlich Tageslicht bietet und im Brüstungsbereich einen angemessenen „Schutz“. Der wichtigste Raum des Hauses – die Aula – wird im Innern mit einer Schall absorbierenden Holzschale ausgekleidet, um die Einbauten wie Bühne und Essenausgabe in die Wandflächen zurückhaltend und repräsentativ zu integrieren.