KITA FÜR ANGEHÖRIGE VON EZB-MITARBEITERN, FRANKFURT

gutachterliche Studie 2012: 1. Preis
Bauherr: Max Baum Immobilien
Leistung: HOAI LP. 1-9

Der Neubau einer KIta für Angehörige von Mitarbeitern der Europäischen Zentralbank bedeutet in zwei- facher Hinsicht eine große Herausforderung: Dem Anspruch nach einem attraktiven, funktionalen und vor allem freundlichen und kindgerechtem Haus muss auf einem recht kleinen, verkehrsbelasteten Grundstück Rechnung getragen werden. Gleichzeitig ist eine Kindertageseinrichtung, eine Organisationsstruktur zu planen, die nicht wie üblicherweise bei einer Kita von 6 bis 8 Gruppen ausgeht, sondern in diesem Fall von 14 Gruppen.

Vor diesem Hintergrund war es für uns zunächst selbstverständlich, dass wir abweichend von der Vorgabe beim Kolloquium, das ganze zur Verfügung stehende Grundstück ausnutzen und auf eine Vorfahrtsfläche verzichten. Nur so kann ein Haus entworfen werden, dass die gebotenen Qualitäten und Mindestfreiflächen im Außenraum und im inneren Gefüge aufweist. Selbstverständlich wurde als weitere „Einschränkung“ auch berücksichtigt, dass in Frankfurt bauaufsichtlich und brandschutztechnisch eine U3 und Ü3- Kindertages- stättenneubau nur bis zu einer maximalen Höhe von 2 Geschossen betrieben werden kann.

So sieht unser Konzept einen U- förmigen, zweigeschossigen Baukörper vor, der zur Staßeneinmündung eine kraftvolle städtebauliche Kante formuliert und der nach Innen einen ruhigen, grünen Innenhof aufweist. Alle Funktionsflächen, die nicht dem Aufenthalt von Kindern dienen, sind in einem zusätzlichen Staffelgeschoss „aufgesattelt“.

Die Architektur des Hauses interpretiert das städtebauliche Leitbild: Die äußeren Fassaden zeigen eine städtische, dem Quartier angepasste Klinkerfassade mit „spielerisch“ eingesetzten besonderen Fensteröff- nungen. Der zur besseren Belichtung und für eine angemessene Maßstäblichkeit abgetreppte Innenbereich lebt von der nahezu vollflächig zum Garten zu öffnenden Holz-Glasfassade. Der Garten und die vorgelager- ten Terrassen stellen eine optische und funktionale Erweiterung aller Spiel- und Ruheräume dar. Organisatorisch werden in jedem Geschoss 7 Gruppen abgebildet. Trotz der zwingend erforderlichen Flächeneffizienz im Grundrisslayout (infolge der knapp bemessenen Grundstücksfläche) wurde darauf ge- achtet, dass kleinere zusammenhängende Bereiche und Flursituationen ausgebildet werden. Ob überhaupt innerhalb einer solch dichten Struktur eine 14- gruppige Einrichtung nach pädagogischen Gesichtspunkten betrieben werden kann, vermag der Entwurfsverfasser nicht zu beurteilen.

Der Eingang der Kita setzt im Baukörper einen architektonischen und städtebaulichen Akzent. Seine große Öffnung und Transparenz verspricht schon beim Betreten einen Durchblick in den Gartenhof. Der Eingang ist unmittelbar neben dem Haupteingang des benachbarten Marktes gelegen. So können in Ermangelung einer eigenen Vorfahrt und eigener Stellplätze die Eltern, die Ihre Kinder mit dem PKW bringen, komfortabel in der Tiefgarage des Marktes parken und auf kurzem überdeckten Weg über die Rampe des Supermarktes direkt zum Eingang der Kita gelangen. Für Eltern, die mit Kinderwagen kommen, bietet eine am Gebäude seitlich angelagerte Rampe (8%) die Möglichkeit, mit Kinderwagen, Fahrrädchen, Bollerwagen oder Spielgerät zu einem großen Kinderwagenraum im UG zu gelangen. Von dort kommt man über das zentrale Treppenhaus und den Aufzug direkt in die Einganshalle.

Die Andienung der Kita erfolgt von der Otto-Meßmer-Straße. Ein ebenerdiger Anlieferungsvorraum und ein großer Lastenaufzug ermöglichen die Anlieferung der Küche und Kleinlager im 2.OG und der Großlager im UG. Dieser und ein zusätzlicher Essensaufzug von der Küche zurück in den Mehrzweckraum und in die Ebenen 0 und 1 erlauben den Transport der Mahlzeiten auf großen Speisewagen.

Alle Freiflächen sollten und müssen der Kita als Grünraum zur Verfügung stehen. Stellplätze können auf dem Grundstück keine untergebracht werden. Im nördlichen Bereich ist mit minimaler Fläche entlang der Supermarktfassade ein Fluchtweg des Marktes sicher zu stellen. Dieser Fluchtweg könnte auch – zur Ver- meidung zusätzlicher Befestigungen – die Personen aufnehmen, die aus der Kita z.B. über die beiden Außentreppen nach hinten flüchten müssen.

Der Entwurf verfügt über 14 Gruppenräume mit der Betreuung von 0—6 jährigen Kindern. Spielräume, Ruheräume, die WCs und vorgelagerte kleine Flure und Garderoben bilden jeweils eine „Einheit“.