DEUTSCHES INSTITUT FÜR PÄDAGOGISCHE FORSCHUNG, J.W. GOETHE-UNIVERSITÄT, FRANKFURT

Wettbewerb 2012: 3. Preis

Der Neubau für das DIPF am Campus Westend ist eine außergewöhnliche Bauaufgabe, aber auch eine große Herausforderung:
Der Baukörper muss städtebaulich drei Belange gleichermaßen und ohne Kompromisse leisten:

- er muss als breiter nördlicher Kopf und als von weitem sichtbarer Endpunkt des östlichen Parkbandes einen Spannungsbogen zum Campus aufbauen.

- er muss für den gesamten Campus an der Einmündung der Hansallee einen neuen nördlichen Eingangsplatz begrenzen.

- er muss das Thema der Reihung von Hochhausscheiben, welche die Analogie zu der Reihung der Querriegel des Poelzigbau darstellt, in voller Höhe und als kraftvollen Auftakt umsetzen.

Allen drei Anforderungen kann das DIPF mit seinen 12300 qm BGF nur gerecht werden, wenn weder eine Baulücke zur Stadt noch eine zum Campus verbleibt. Hier müssen bereits im 1. BA jeweils kraftvolle Fassaden eine neue Adresse für den gesamten Campus bilden. Da aber das DIPF bei wirtschaftlicher Grundrissausbildung maximal 12300 qm der auf dem Baufeld möglichen 17000 qm BGF benötigt, kann aus meiner Sicht die Lösung nur in einer teilweisen Ausnutzung des Hochhausbaufeldes liegen. Hierin sehe ich aber keineswegs einen Nachteil, denn in dem kleinsten der nördlichen Baufelder an der Miquelallee erscheint ein schlanker, turmartiger Hochhausbaukörper im Verhältnis zu dem kompakten Sockel weitaus ausgewogener als eine lange Hochhausscheibe. Selbstverständlich kann mit vorliegendem Entwurf aber dennoch die maximale Ausnutzung von 17000 qm BGF nahezu erreicht werden. Der in die Blockstruktur an der süd-westlichen Ecke eingefügte 2. BA könnte mit einer zusätzlichen Fläche von ca. 3700qm gebaut werden.
Der Vorteil dieser städtebaulichen Gewichtung wird auf zwei Ebenen unmittelbar greifbar:

- Zum einen hat das neue Institut zwei gleichermaßen repräsentative Adressen zum Platz und zum Campus. So können das Foyer und die Veranstaltungsräume im EG und die Bibliothek im 1. und 2.OG jeweils über Eck ganz wesentlich den Charakter des Hauses bestimmen. Große verglaste Öffnungen bieten Einblicke, bauen ein Wechselbeziehung zwischen Innen und Außen auf und unterstreichen die Öffentlichen Nutzungen des Hauses.

-Zum anderen versprechen die umfangreichen Flächen in allen drei Flügeln des Sockels organisatorisch und wirtschaftlich eine hohe Effizienz.

Der Haupteingang wird in der Überarbeitung in Richtung Campus verlegt. Durch eine vorgelagerte Kolonnade erfährt er eine zusätzliche Aufwertung, die an der Ecke auch dem neuen Stadt-Platz Rechnung trägt.
Das offene repräsentative Eingangsgeschoss ist der zentrale Verteiler des Hauses. Der Haupteingang und das Foyer sind bereits von weitem — unterstützt durch den Durchblick in den Innenhofgarten — einsehbar. Zwei Freitreppen in einem großzügigen Luftraum verweisen auf die öffentlichen Nutzungen -Bibliothek und Labor- im 1. OG. Die Kindertagesstätte sowie der dem Laborbereich vorgelagerte Eltern-Kind-Raum sind leicht auffindbar vom EG zugänglich. Die Eingangshalle, die Kolonnade aber auch der grün gestaltete Innenhof sind attraktive Foyerflächen für die Veranstaltungsräume. Das Institut selbst wird selbstverständlich über die gleiche Eingangshalle erschlossen: Zwei Aufzuggruppen (incl. eines Feuerwehraufzugs im Hochhaus) sind gut einsehbar zu erreichen, kurze Wege führen über die drei Treppenräume nach oben. Die Bibliothek nimmt mit ihrer Lage im 1. und 2. OG eine zentrale Stellung im Institut ein. Ihr Buchbestand, ihre Aufenthaltqualität (alle Arbeitsplätze mit Campus- oder Platzblick) und ihre attraktive Zweigeschossigkeit sind bereits vor dem Betreten von außen erkennbar. Dem Wunsch nach einer die Kommunikation stärkenden Organisation wird durch die Ausgestaltung der Flure, die Lage der Teeküchen und Sozialräume und durch eine attraktive Vertikalerschließung Rechnung getragen: Im Sockel befinden sich jeweils an den Außenecken offene attraktive Kommunikationszonen.
Brandschutztechnisch wird eine konsequente Unterteilung in Nutzungseinheiten kleiner 400qm vorgenommen. Dadurch können nahezu ausnahmslos offene Bürobereiche ohne notwendige Flure realisiert werden. Die Kaskadierung der Fluchtwege im Bereich der Erschließungskerne ist berücksichtigt.