MASTERPLANVERFAHREN CAMPUS BUNDESBANK, FRANKFURT

Wettbewerb mit Vergabeverfahren 2018: 1.Preis
Bauherr: Deutsche Bundesbank

Die Zusammenführung von 5000 Arbeitsplätzen der Bundesbank am Hauptstandort machen eine umfassende bauliche Erweiterung um mehrere Gebäude erforderlich. Unser Konzept verfolgt die Idee, die bauliche Identität des Areals über diese umfangreichen Veränderungen zu stärken: D.h. in Richtung Stadt wird das als Stadtkrone im Park über der Stadt platzierte Hauptgebäude freigestellt, während auf der Seite zum Taunus drei gleichhohe Hochhausscheiben so ergänzt werden, dass nach außen ein zusammenhängendes Ganzes und nach innen ein gefasster Raum entsteht. Leitidee ist ein Campus Bundesbank als individuelles Ensemble kraftvoller Architekturen in einem park- artigen Gelände mit altem Baumbestand. Den Verzicht auf einen neuen Hochpunkt und stattdessen eine Angleichung aller Neubauten auf die Höhe des Hauptgebäudes, sehen wir als besondere Qualität, bei der die Bundesbank – anders als die großen Geldinstitute in der Stadt – auf Raumbildung und nicht auf Objekthaftigkeit setzt. Für dieses Konzept sind die gemeinsamen Freiräume von zentraler Bedeutung. Der weitgehend autofreie Campus bietet allen Mitarbeitern und den Besuchern optimale Aufenthaltsqualitäten und den Gebäuden ein repräsentatives Umfeld. Als Vorplatz und Zugang zum Haupteingang spannt sich von der Straße zum Hauptgebäude eine parkartige Grünfläche.

Die Hochhausscheiben und ihre Sockelzonen bieten einerflexiblen nachhaltigen Organisation aller Funktionsbereiche aus-kömmliche, gut erschlossene Flächen. Anders als in dem recht schmalen Hauptgebäude sind die neuen Bürohäuser mit einer Breite von 20-21m organisiert. Während ausnahmslos an der Fassade 5-6m tiefe Büros liegen, befinden sich alle Erschließungs- und Nebenflächen in der Mittelzone. Diese ermöglicht offene Großraum- und Kombi-Büro oder Besprechungszonen. Hierdurch wird allen Entwicklungen in der Büro- und Arbeitsorganisation Rechnung getragen. In der zweigeschossigen Sockelzone findetdie Verknüpfung der Häuser untereinander statt. Ebenso befindensich hier Schulungsräume, Gastronomie und Sondernutzungen.

Den Mitarbeitern, die mit dem PKW kommen, wird zukünftig vor dem inneren Sicherheitsbereich – dem eigentlichen Campus – eine zweigeschossige Tiefgarage mit 1410 Stellplätzen angeboten, die gut einsehbar erschlossen und über die bestehenden Abzweige der Wilhelm-Epstein-Str. angebunden wird.

Bereits auf dem Bundesbankgelände sind als Aufstellfläche in Spitzenzeiten zwei Fahrspuren vor den Automatikschranken vorgesehen. Die Verkehrsströme auf dem Campus selbst werden minimiert. Durch das vorgelagerte Logistikzentrum und die äußere Tiefgarage sind die Fahrwege in der Sk 3/4 ausnahmslos besonderen Einsätzen (Feuerwehr, Notdienst) oder den direkten Vorfahrten zum Hauptgebäude oder zur Hauptkasse vorbehalten. Dienstfahrzeuge gelangen im Endausbau über die Wache Ost in die bestehende Tiefgarage 1 mit 145 Stellplätzen. In beiden Tiefgaragen gibt es Ladestationen für Elektromobilität. Fahrradangebote im Park helfen die Wege z. B. zu den Gastrostützpunkten zu verkürzen.

Um den hohen Sicherheitsanforderungen zu genügen, werden jeweils durch Zwischenräume getrennt unterschiedliche Sicher- heitszonen organisiert. Den äußeren Perimeter bildet die Grund- stücksgrenze. Unmittelbar an dieser und außerhalb der inneren Sicherheitszonen 3/4 liegen auf der neuen Tiefgarage die Sporthalle, das Logistikzentrum und die Kita. In der unbebauten 15 m breiten Fuge zu den inneren Neubauten der Zone 3 befindensich lediglich die Wachen als Schleusen.

In deren unmittelbaren Blickfeld liegen die Ein- und Ausfahrtsrampen der Garage sowie die äußeren Aufgänge, aus denen die Mitarbeiter aus der Tiefgarage kommen. Zusammen mit all denjenigen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Eingangsplatz kommen, durchschreiten sie gemeinsam die Personalkontrolle. Die westliche Kontrollstelle bildet gleichzeitig auch den Eingang in das Pressezentrum, das als einzige Ausnahme wie ein Finger in den inneren Sicherheitsbereich ragt. Diese besondere Lage ist unserer Idee geschuldet, das Gäste bei Veranstaltungen und Konferenzen über einen freien Ausblick zu einem Teil des Campus werden, ohne jedoch über die festverglasten und gesicherten Fassaden des Pressezentrums auf den inneren Campus gelangen zu können.

Das Logistikzentrum ist als geschlossene Halle (mit hochwertiger Fassade zur Stadt) ausgebildet, in die alle LKWs hineinfahren, um entladen zu werden. Alle Ladedocks und Müllstationen können unter Berücksichtigung der jeweiligen Schleppkurven inhouse angefahren werden. Gescannte Güter gelangen direkt in das Hochregallager oder in die Verteilung. In dem Bereich der Halle, der nicht von dem 9m hohen Regallager beansprucht wird, liegen im Obergeschoss als Teil der Zone 2 das Betriebsbüro und die Poststelle. Auch die Versorgung der Gastrostützpunkte erfolgt über den Wareneingang des Logistikzentrums. Die Müllentsorgung und die Wertstoffsammlung finden hier ebenso statt. Grundsätzlich ist eine unterirdische Güterverteilung (sowie ein Mülltransport) baulich möglich.

An der nordwestlichen Ecke außerhalb des Sk 3-Bereichs wird die Sporthalle angeordnet. Sie ist von außen erschlossen, das Restaurant öffnet sich zur Straße. Turnhalle und Schwimmbadverfügen in dem 9m hohen Sockel über die entsprechenden Lufträume und Tragwerkshöhen, der Gymnastikbereich und Teile der Umkleiden liegen innerhalb dieses Volumens im OG. Die neue Kita mit Appartements komplettiert die öffentliche Kante nebendem Geldmuseum und nutzt als Freifläche die grüne Spitze des Areals. In einem zweigeschossigen Baukörper liegen jeweils die Gruppen- und Ruheräume der 6-gruppigen Kita zum Freibereich. Ein zweigeschossiges Foyer bildet den Übergang zu den die- nenden Räumen mit Küche, Büro, Mehrzweckraum etc.. Bei den Besucherstellplätzen des Museums und den Drop-off Parkplätzender Kita erzeugt die benachbarte Lage Synergieeffekte.

Die Anordnung der Gebäude macht auf besondere Weise zwei unterschiedliche Freiraumcharaktere möglich. Zum einen im inneren Bereich des neuen Campus eine geschützte, großzügige Raumfolge mit einer Freiraumgestaltung mit hohen Aufenthaltsqualitäten für die Mitarbeiter. Zum anderen umgibt als Zone 1-2 ein zusätzlicher Grüngürtel das Gebäudeensemble und schaffteinen landschaftlichen Charakter sowie Distanz und Schutz.

Die inneren Freiflächen nehmen die Fluchten der Gebäude auf, definieren unterschiedliche Bereiche und unterstützen die klare Ordnung des neuen Campus. Es entsteht eine grafische Freiflächenstruktur, die sich mit den unterschiedlichen Aufgaben desFreiraumes überlagert. Das geplante Wegenetz ermöglicht eine neue Wahrnehmung der beeindruckenden Skulpturen und Kunstwerke, im einzelnen wie in ihrer Gesamtheit. In diesem Netz werden Angebote wie Sitzgelegenheiten oder Außengastronomie wie selbstverständlich aufgenommen. Eine besondere Qualität des Gesamtensembles ist der vorhandene, wertvolle, Baumbestand der durch angemessene Neupflanzungen und weite Rasenflächen ergänzt und aufgewertet wird.