Siemens Campus, Erlangen

Beschränkter Ideen- und Realisierungswettbewerb 2015: 2. Preis


Es ist eine einmalige Chance auf dem großen in weiten Teilen zur Verfügung stehenden Areals in Innenstadtnähe einen zusammenhängenden Campus für Siemens zu schaffen. Es ist einerseits ein Firmenstandort, an dem einerseits alle organisatorischen und funktionalen Anforderungen mit hohem Entwicklungspotenzial für die Zukunft abgebildet werden können und anderseits eine signifikante städtebauliche Struktur, die dem neuen Siemens-Campus eine räumliche Identität verleiht und zudem eine Strahlkraft für die Erlanger Stadtentwicklung hat.
Die für den neuen Campus zur Verfügung stehenden Flächen sind an zwei Seiten nahezu aus dem städtischen Gewebe herausgelöst und regelrecht abgeschnitten: Im Westen durch die Bahntrasse und im Norden durch die Paul Gossen Straße. Bezüge zu den nördlichen Siedlungsstrukturen können kaum aufgebaut werden. Städtebauliche Qualitäten, auf denen unser Campuskonzept aufbaut, sind der neue S-Bahnhaltepunkt im Nordwesten, das östlich angrenzende Naturschutzgebiet Brucker Lache sowie der südlich verlaufende Bachgraben. Bei aller Problematik der gebauten Nachbarschaft hat das Gelände selbst ein sehr hohes städtebauliches Potenzial. Mit der noch deutlich ablesbaren Maurer-Planung, mit dem hohen Anteil an Grün, das sich in den letzten Jahrzehnten auf dem Firmengelände entwickelt hat und mit diversen Neubauten für Siemens und Areva, die zusammen mit den denkmalgeschützten Gebäuden im Ansatz bereits eine städtebauliche Grundstruktur erkennen lassen.
Im Zentrum unserer städtebaulichen Figur stehen die diagonale Querverbindung in Form eines neuen Parks sowie die neuen Baufluchten, mit denen sich die Neubauten an dem Einzeldenkmal aber auch an den erhaltenswerten Bestandsgebäuden orientieren. So wollen wir von einer Fortführung – besser einer Weiterinterpretation – des Maurer-Konzepts sprechen.

Eine Steigerung und Akzentuierung erfährt die städtebauliche Figur durch eine Aufweitung des linearen Grünraums an seinen Enden: Nach Westen öffnet sich der Raum und definiert eine Eingangssituation, nach Osten entsteht ein schöner Übergang in das Wohngebiet und zum angrenzenden Wald. Die Dimensionen und Abmessungen der angebotenen Freiräume orientieren sich an den eindrucksvollen Erlanger Grünanlagen. Vorbild ist z. B. der Schlossgarten, der heute von repräsentativen Gebäuden der Universität flankiert wird, oder der Bohlenplatz. An unserem neuen Parkband stehen ausschließlich Einzelhäuser, die ablesbare Volumen darstellen. Gewählt werden nicht endlose, zusammenhängende Strukturen, sondern Einzeladressen. Bauten mit eigenen signifikanten Eingangssituationen, mit Zwischenräumen und Durchblicken in die Tiefe des Stadtraums.
Das städtebauliche Leitbild ist das der europäischen Stadt mit räumlichen und funktionalen Qualitäten wie man sie in herausragender Form in der Stadtmitte Erlangens vorfindet: Stadt- und Grünräume, die eine bauliche oder natürliche Fassung haben und dennoch intensiv mit dem städtischen Gefüge verwoben sind. Gebäude bilden Baufluchten und Raumkanten, durchgehende Traufhöhen sorgen für räumliche Klarheit, höhere Volumen setzen Akzente.
Diese für die Stadtbaukultur selbstverständlichen Qualitäten sind Anregung bei der Neugestaltung des Siemens Campus und sollen dem neuen Ort nicht nur eine städtebauliche Kraft, sondern auch eine eigene Erlanger Identität verleihen. Die für Urbanität erforderlichen Nutzungsvielfalt, Komplexität sowie das Spannungsfeld zwischen öffentlichen und halböffentlichen Räumen sollte idealer Weise für den neuen Campus gleichermaßen Vorbild sein.
So ist es uns bewusst, dass zwischen einer gewachsenen Stadt und der Neuanlage eines Campus Welten liegen können. Gerade deswegen soll eine robuste aber auch geordnete Struktur vorgeben werden, die sich sukzessive – aber immer mit einem räumlich klaren Leitbild – entwickeln und  anpassen kann. Wir planen einen in weiten Teilen autofreien inneren Campus, eine Vernetzung durch die neue öffentliche Grünanlage, eine Vielzahl von übergeordneten Fuß- und Radwegen durch das Gelände hindurch und soweit möglich eine gewisse Nutzungsvielfalt. Alle Gebäude zeigen eine Adresse zum Campus und werden von dort erschlossen.